Stigger setzt alles daran, ihren Höhenflug fortzusetzen.
© Michal Cerveny/Specialized Global Sports
MTB

Der ultimative MTB Cross-Country-Guide

Von waghalsigen Abfahrten bis hin zu gnadenlosen Anstiegen bietet XCO vor allem eines - Nervenkitzel pur! Hier erfährst du alles, was du über eine der spannendsten MTB-Disziplinen wissen musst.
Autor: Clemens Burghofer
6 min readPublished on
In der faszinierenden Welt des Mountainbikens gibt es eine Disziplin, die sich schon fast wie eine Liebeserklärung an die Natur anfühlt: Cross-Country (XCO). Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass sich hinter dieser kitschigen Fassade eine Welt voller Adrenalin und Nervenkitzel verbirgt.
Wenn Top-Athlet:innen wie die Österreicherin Laura Stigger beim turbulenten Massenstart Aufstellung nehmen und sie bereit sind, im Kampf um den Sieg auf den schwierigsten Trails der Welt, alles zu geben, ist es so gut wie unmöglich, am Streckenrand oder zu Hause vor dem Bildschirm die Füße stillzuhalten. Bei XCO-Rennen geht sprichwörtlich die Post ab!
Ein ausgewogener Mix aus Fitness, Konzentration und außergewöhnlichen Fähigkeiten auf dem Bike können der Schlüssel zum Erfolg sein. Wer jedoch nur für einen Augenblick den Fokus verliert und sich einen Fehler leistet, muss damit rechnen, dass am Hinterrad bereits jemand lauert, um Kapital daraus zu schlagen. Kurz gesagt: Cross-Country bietet spektakuläre Action und Spannung pur!
Werfen wir gemeinsam einen Blick darauf, was Cross-Country so besonders macht.
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Faszination Cross-Country: Die härteste MTB-Disziplin

Laura Stigger beim UCI XCO World Cup in Leogang, Österreich, am 18. Juni 2023.

Laura Stigger über Stock und Stein

© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool

Cross-Country (auch XCO genannt) ist die wohl berühmteste Mountainbike-Disziplin -- und das hat einen einfachen Grund: Es ist die bis dato einzige MTB-Disziplin, die olympisch ist. Sein olympisches Debüt feierte XCO 1996 bei den Sommerspielen in Atlanta und seitdem liefern sich die weltbesten Athlet:innen hart umkämpfte Duelle über mehrere Runden, die zwischen vier und sechs Kilometer lang sind, bei einer Gesamtdauer um die 90 Minuten.
Die Disziplin erfordert eine Kombination aus phänomenaler Fitness, übermenschlicher Kraft und Ausdauer und außergewöhnlichen Fähigkeiten im Umgang mit dem Bike. Es ist ein einzigartiger Mix aus körperlicher Anstrengung, Erschöpfung und unbändigem Kampfgeist -- ebenso wie raffinierter Taktik, wilder Entschlossenheit und unvorhersehbarer Dramatik.
XCO-Fakten:
  • Der Start erfolgt im Massenstart.
  • Die Rundenlänge beträgt zwischen vier und sechs Kilometern.
  • Die Strecke muss durch unterschiedliches Gelände führen (Wald, Wiese, Felsen, Kies, Feld).
  • Die Renndauer beträgt in der Elite zwischen 1:20 bis 1:40 Stunden.
Laura Stigger beim UCI XCC World Cup in Nove Mesto na Morave, Tschechien, am 12. Mai 2023.

Laura Stigger holte ihren ersten XCC-Sieg in der Elite

© Bartek Woliński/Red Bull Content Pool

Jedes XCO-Rennen schreibt seine ganz eigene Geschichte mit unerwarteten Wendungen und einem pulsierenden Spannungsbogen. Überraschende Pannen und emotionale Herzschlagfinals dürfen dabei natürlich nicht fehlen.
Neben haarsträubenden Drops und spektakulären Crashs, die es bei XCO-Rennen in der Regel in Hülle und Fülle gibt, werden heutzutage immer häufiger technische und große Features in das Kursdesign integriert, was für noch mehr Action sorgt. Ein Rennen gewinnt man heute nicht mehr allein durch eine hervorragende Fitness, stattdessen müssen die Rider zusätzlich enorme technische Qualitäten besitzen.
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Modernes Cross-Country-MTB: Die größten Challenges

Laura Stigger während des UCI XCC World Cups in Mont Sainte Anne, Kanada am 7. Oktober 2023.

Cross-Country bietet auch spektakuläre Downhill-Action

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool

Wie oben bereits kurz angeschnitten, hat die Cross-Country-Disziplin in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, was für die Athlet:innen schließlich neue sportliche Challenges brachte -- und den Fans noch mehr Action.
Abfahrten auf einem Cross Country-Kurs erfordern ähnliche Skills wie sie reine Downhill-Spezialist:innen haben müssen, und wer zur XCO-Elite zählen möchte, muss im Umgang mit dem Bike so geschickt sind, dass jeder Gravity-Rider neidisch wird.
Zu den heutzutage wohl beliebtesten Streckenfeatures auf XCO-Tracks zählen die zahlreichen Steingärten. In der Regel gibt es in den schwierigen Steingärten mehrere mögliche Linien. Wer die beste Linie wählt und gut durchkommt, kann viel Zeit aufholen aber auch viel Zeit liegen lassen.
Was das technische Terrain betrifft, wird bei Downhill-Rennen natürlich noch mehr geboten, allerdings sollte man nicht vergessen, dass XCO-Rennen eine viel breitere Skill-Palette erfordern -- und das alles mit nur 100 mm Federweg!
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Bikes und Equipment: Mensch und Maschine im Einklang

Das Canyon Mountainbike der kanadischen Athletin Emily Batty.

Das moderne Mountainbike ist eine Style-Ikone.

© Adam Morka/Canyon Bicycles

Apropos Federweg: Nicht nur wenn es um die Dämpfung geht unterscheiden sich XCO-Mountainbikes grundlegend von den Zweirad-Varianten der Downhill-Profis. Cross-Country-Bikes sind wahre Allround-Raketen -- und das müssen sie auch sein, denn wie bereits erwähnt gibt es keine andere MTB-Disziplin, die Material und Sportler:in mehr fordert als XCO!
Es geht um das perfekte Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Dazu müssen die Mechanik-Teams die Bikes millimetergenau auf die jeweiligen Fahrer:innen einstellen und bei technischen Problemen sofort zur Stelle sein. Ähnlich wie im Motorsport gibt es außerdem sogenannte Technical Assistance-Zonen (Technik- oder Versorgungszonen), in denen die Teams während der Rennen Reparaturen an den Bikes durchführen können, aber auch Trinkflaschen und Nahrung an die Athlet:innen aushändigen dürfen.
Wesentliche Merkmale eines Cross-Country-Mountainbikes:
  • Rahmen: Der Rahmen eines Cross-Country-Bikes ist in der Regel leicht und steif, um eine effiziente Kraftübertragung zu ermöglichen. Beim Material gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Aluminium- oder Carbonrahmen, wobei Carbonrahmen bevorzugt werden, da sie leichter und steifer sind.
  • Federung: Cross-Country-Bikes haben in der Regel eine Vollfederung (Vorder- und Hinterrad), um Stöße und Vibrationen auf unebenem Gelände zu absorbieren. Diese Gabeln sind oft leichter und haben weniger Federweg als solche für Enduro- oder Downhill-Bikes, um die Effizienz beim Pedalieren im schwierigen und flachen Gelände zu maximieren.
  • Gewicht: Ein entscheidender Faktor bei Cross-Country-Bikes ist das Gesamtgewicht. Es gilt die Devise: Je leichter, desto besser, da geringeres Gewicht eine bessere Beschleunigung, Kletterfähigkeit und Wendigkeit ermöglicht. Daher sind Komponenten wie Rahmen, Räder, Antriebssystem und Zubehör auf minimales Gewicht optimiert.
  • Reifen: Die Reifen eines Cross-Country-Bikes sind oft schmaler und haben ein flaches Profil für geringeren Rollwiderstand und verbesserte Traktion auf festen Untergründen. Tubeless-Reifen sind weit verbreitet, um das Risiko von Pannen zu minimieren und das Gesamtgewicht zu reduzieren.
  • Schaltung: Cross-Country-Bikes sind in der Regel mit einer leichten und präzisen Schaltung ausgestattet, die eine breite Übersetzung bietet. Einzelne Kettenblätter oder 1x-Antriebe sieht man am häufigsten, um Gewicht zu sparen und die Schaltvorgänge zu vereinfachen.
  • Bremsen: Leistungsstarke Bremsen sind entscheidend, um auf technischen Abfahrten sicher zu navigieren. Hydraulische Scheibenbremsen bieten eine hohe Bremskraft und Kontrolle, während sie gleichzeitig leicht und zuverlässig sind.
  • Geometrie: Die Geometrie eines Cross-Country-Bikes ist darauf ausgelegt, eine effiziente Sitzposition für längere Fahrten und schnelle Anstiege zu bieten. Ein steiler Sitzwinkel verbessert die Kletterleistung, während ein flacher Lenkwinkel Stabilität bei schnellen Downhill-Abschnitten gewährleistet.
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Beste Athlet:innen: Das sind die Top-Stars

Laura Stigger

Laura Stigger Cover Art

Laura Stigger Cover Art

© Cover Artwork

Die hochtalentierte Cross-Country-Queen aus Tirol zählt mit ihren erst 23 Jahren bereits zur absoluten Weltspitze. Laura Stigger hat sich früh in ihrer Karriere einen Namen gemacht und zahlreiche nationale und internationale Titel gewonnen. Was die sympathische Tirolerin besonders auszeichnet, sind ihre ehrgeizige und zielstrebige Einstellung, sowie der unbändige Wille, bis zur allerletzten Sekunde alles zu geben.

Kate Courtney

Race Tapes

Race Tapes

© Red Bull

Kate Courtney stammt aus Palo Alto in Kalifornien und hat sich als eine der besten Fahrerinnen ihrer Generation etabliert. Die US-Amerikanerin hat zahlreiche Weltcupsiege gewonnen und sich ihren Platz an der Spitze des Sports mehr als verdient.

Nino Schurter

Nino Schurter feiert am 10. April 2022 beim UCI XC MTB World Cup in Petrópolis, Brasilien.

Nino Schurter

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool

Der Schweizer XCO-Superstar gilt als einer der besten Cross-Country-Rider aller Zeiten. Seit Jahren dominiert er regelmäßig den Weltcup und hat unzählige Weltmeistertitel und Olympiamedaillen geholt.

Henrique Avancini

Henrique Avancini beim UCI XCO World Cup in Snowshoe, USA, am 1. Oktober 2023.

Henrique Avancini hatte im Ziel schon oft ein breites Grinsen im Gesicht

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool

Henrique Avancini stammt aus Petrópolis, unweit der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro und gehört zweifellos zur Crème de la Crème der internationalen XCO-Szene. Seine frenetische Entschlossenheit und sein glühender Wille, alles zu geben, haben ihn vom talentierten jungen MTB-Enthusiasten in einen Superstar verwandelt.