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Die 5 Tour de France Favoriten im Form-Check
Das Peloton rollt los in Richtung Paris. Kann sich Red Bull-Athlet Wout van Aert das Grüne Trikot schnappen oder sogar die Top-Favoriten auf Gelb attackieren?
Es sind die Farben, aus dem Träume gemacht sind. Maillot Vert und Maillot Jaune - wer im Grünen oder gar im Gelben Trikot auf den Champs-Élysées einbiegt, erntet nie endenden Ruhm im Peloton. Eddy Merckx, quasi der erste Popstar auf zwei Rädern, beendete die Tour de France fünfmal in Gelb. 1969, 1971 sowie 1972 holte er sich obendrein das Grüne Trikot für die Punktwertung.
Fällt der Name des Belgiers kommen vielen Radsport-Fans auch die Bilder in den Kopf, wie Merckx den 1909 Meter (!) hohen Mont Ventoux bezwang und sich so sehr verausgabt hatte, dass er den Etappensieg in einem Sauerstoff-Zelt feiern musste. Zumindest in dieser Beziehung ist ihm Landsmann Wout van Aert seit dem Ventoux-Coup im Juli 2021 voraus.
Im 2022er Fahrerfeld der Tour de France verkörpert der Red Bull-Athlet mit Mountainbike-Vergangenheit den Alleskönner. Sein Ziel: Die Punktwertung. Kann der 27-Jährige womöglich sogar einige Tage in Gelb fahren und in den erwarteten Zweikampf Tadej Pogacar vs Primoz Roglic eingreifen? Wir checken die Form der Favoriten.
Tadej Pogacar
Fünf Minuten, 20 Sekunden. Mit diesem Vorsprung, der im Radsport eine Ewigkeit bedeutet, distanzierte Tadej Pogacar die Konkurrenz im vergangenen Jahr. Für Eddy Merckx ist er längst ein Campionissimo: Der Meister aller Klassen am Berg. Dazu so stark im Zeitfahren, um - wie bei seinem ersten Tour de France-Triumph 2020 - noch Rückstände von einer Minute wettzumachen. Einzig taktische Fehler, die Pogacar im April den Sieg bei der Flandern-Rundfahrt gekostet hatten, stehen einem Hattrick im Weg.
Primoz Roglic
Das zweite Gesicht der jungen Radsport-Nation Slowenien. Der im Vergleich zu Pogacar neun Jahre ältere Roglic kommt nach Siegen bei Paris-Nizza und der Dauphiné-Rundfahrt in starker Verfassung zum Saisonhöhepunkt. Die Qualität und geballte Erfahrung seiner Helfer, darunter Jonas Vingegaard (Zweiter im Vorjahr) oder auch Sepp Kuss und Steven Kruijswijk, sind das vielleicht größte Plus gegenüber Pogacar in den Alpen-Etappen.
Wout van Aert
„In der nächsten Saison möchte ich auf das Grüne Trikot fahren“, kündigte der Red Bull-Athlet nach den Siegen auf den abschließenden beiden Etappen 2021 an. Bleibt sein Kapitän Roglic vom Sturzpech verfolgt, könnten sich die farblichen Prioritäten allerdings verschieben. Fünf Dauphiné-Etappen fuhr Wout van Aert bereits in Gelb. Die bisherigen Grand Tour-Teilnahmen zeigen außerdem: Der Red Bull-Athlet kann explosiv, immens schnell als auch so ausdauernd in die Pedale treten, um diverse Kletterspezialisten hinter sich zu lassen.
Geraint Thomas
Mit seinen 36 Lenzen wäre der in Cardiff geborene Brite der älteste Tour-Sieger seit Firmin Lambot vor exakt 100 Jahren. Die Form, um den verletzten Egan Bernal zu vertreten und aufs Podium zu fahren, holte sich Geraint Thomas auf der Tour de Suisse. Seine einstige Dominanz beim TdF-Sieg 2018 wird vier Jahre später von diversen Sturz-Narben überschattet und macht damit die Kopfsteinpflaster-Abschnitte im Norden Frankreichs zu einem frühen Knackpunkt.
Alexandr Vlasov
Auf der vorherigen Grand Tour durch Italien überrollte BORA-hansgrohe die Konkurrenz auf den letzten Metern. Statt Giro-Sieger Jai Hindley schickt das deutsche UCI WorldTeam in Alexandr Vlasov einen Debütanten mit frischen Beinen nach Frankreich. Ohne die Erkrankung auf der Tour de Suisse hätte der 26-Jährige nach seinem Triumph bei der Tour de Romandie wohl auch das wichtige Vorbereitungsrennen über acht Etappen gewonnen.