Mountainbike Downhill Profi-Fahrerin Myriam Nicole in Action beim UCI Mountain Bike Downhill World Cup in Leogang 2021.
© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Bike

Inside Lines #2: Das war der UCI Mountain Bike World Cup Leogang 2021

Nach dem Saisonauftakt in Leogang blickt MTB-YouTuber Jasper Jauch zurück auf den dramatischen UCI Mountain Bike World Cup in Leogang – ein echter Stress-Test für Rider und Zuschauer!
Von: Jasper Jauch
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Inside Lines – die Kolumne zum UCI Mountain Bike World Cup mit Jasper Jauch: #2 Nach Leogang

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Als Tracey Hannah am Anfang des RedBull.TV Streams beschrieb, dass sie froh sei, bei diesen Bedingungen nicht fahren zu müssen, habe ich ein imaginäres High-Five gegeben. So eine steile, herausfordernde und selektierende Strecke unter solch wechselnden Bedingungen, ist der absolute Stress für jeden Fahrer.
Vielleicht war es ein kleines Trostpflaster, dass es der erste Weltcup war, denn die Fahrer kannten noch keine Ergebnislisten. Die persönlichen Rivalitäten mussten erst noch ausgefahren werden und die Karten waren somit noch gut gemischt.
Wechselnde Temperaturen, wiederkehrende Schauer und die sich stetig verändernde Strecke machten es für die Fahrer schwer, die richtige Einstellung des Fahrwerks zu finden. Laut der YouTube-Serie „Dialed“ konnten die Erfahrungswerte vom letzten Jahr leider nicht 1 zu 1 übertragen werden, aber immerhin bedeutet das auch, dass es somit nicht so eisig kalt war, wie letztes Jahr.
Meine Hoffnung war leider schon zu Beginn des Rennens gestorben, da Nina Hoffmann bei den Frauen nicht starten konnte. In meinen Augen ist es wahre Stärke, wenn du kurz vor dem Rennen entscheidest, auf deinen Körper zu hören und mit einer Gehirnerschütterung und keinem Trainingslauf vor dem Finale das ganze erstmal auszukurieren. Leider viel zu oft mussten wir in der Vergangenheit bereits ansehen, wie Gehirnerschütterungen runtergespielt, aber dann doch in den Ergebnissen ersichtlich waren. Hut ab an dieser Stelle und natürlich hoffen wir alle auf die „Hoff“ beim nächsten Weltcup.
Es ist es schon krass, wie schnell ein feuchtes Sumpfgebiet, im Laufe eines Weltcupfinales, also in wenigen Stunden austrocknen kann.
Troy Brosnan bahnt sich beim UCI Mountain Bike Gownhill World Cup in Leogang seinen Weg durch "Vali's Hell".

Troy Brosnan bahnt sich seinen Weg durch "Vali's Hell".

© Bartek Wolinski

Die Waldsektion, liebevoll mit „Valis Hell“ betitelt, war bei den Frauen noch ein wahres Glücksspiel. Damit war es leider für viele dann auch das verkörperte Unglück auf der Jagd nach Zehnteln, wenn man sich Sekunden lang durch den Schlamm kämpfen muss. Bei den Männern nicht weniger selektierend, aber dennoch schon deutlich trockener, konnte Troy Brosnan als einziger seine verlorenen Sekunden am Start in dieser Sektion wieder einfangen.
Und wenn ich ehrlich bin: Niemals hätte ich gedacht, dass es in diesem Wald möglich wäre, mehr Zeit gut zu fahren, als man bereits oben verloren hat. Amaury Pierron kam mir persönlich gar nicht so schnell vor, aber der in Sektion 6 gefahrene Speed war für die meisten einfach unerreichbar. Auf dem Versuch die Zeit zu schlagen, gab es einige, die kurz den Schwung liegen gelassen haben und damit dann ganz schnell durchgereicht wurden. Charlie Hatton allerdings hatte wohl mehr als nur einen Schutzengel. Eigentlich sollte er eine Extra-Ehrung dafür bekommen, diesen Fast-Sturz noch gehalten und ausgefahren zu sein. Es erinnerte ein wenig an eine Mischung aus Ballett und Kunstradfahren, so wie er sich durch das Steilstück tänzelte, aber dennoch auf dem Rad hielt.
Ich hätte bei der Strecke wohl eher auf einen Sieg mit einem 29er Bike gesetzt, denn die besseren Rollwiderstände, das mehr an Grip, das einfachere Überrollen von Hindernissen sprechen eigentlich für die schnelleren Zeiten… Tja, die Skills der Top-Fahrer zeigen immer wieder überraschend, dass es eben auf die Kombination von Reiter und Pferd ankommt und nicht nur die Theorie. Genauso muss ich eingestehen, dass meine anfängliche Skepsis gegenüber den Prototypen und ggf. fehlender Sicherheit und Routine auf den Bikes widerlegt worden ist. Das Commencal-Team hat wohl mit Thibaut Daprela auf 2 und Amaury Pierron auf 3 bewiesen, dass sie sich bereits gewissenhaft ausprobiert haben.
Eddie Masters fährt mit seinem Mountainbike beim UCI Mountain Bike Downhill World Cup Leogang.

Ed Masters auf seinem Weg in die Spitze.

© Bartek Wolinski

Ein Augenmerk sollte man im Replay aber auch nochmal auf Ed Masters werfen. Einer der coolsten und greifbarsten Weltcup-Fahrer, der mal eben wieder ein Top-Ergebnis gefahren ist und als einer der ganz wenigen im Wald die Highline mit der Lowline kombiniert hat. Ich hätte ihn eher im Mittelfeld eingestuft und freue mich umso mehr, solch bodenständige Fahrer an der Spitze zu sehen.
Auch Dekotah Norton legt eine starke Entwicklung hin. Ich erinnere mich noch, als wir uns in einer Pension in Kanada, Monte Sainte Anne kennengelernt haben. Wir waren beide noch Privateers – er mit seiner Mutter angereist – auf der Suche nach dem Schlüssel für unsere Wohnung. Später an dem Wochenende, sowie in meinem letzten Jahr in Losinj beim Weltcup, durfte ich immer wieder seine selbstmotivierenden Weisheiten á la „Think Big“ und „Why Not Today“ genießen. Und mal wieder hat er bewiesen, sein amerikanischer Traum ist zum Greifen nah.
Den Ärger von Vali Höll kann wohl ein jeder verstehen. In Führung und dann durch die letzte Kurve mit einem Sturz auf Platz 2 verbannt. Vielleicht sieht sie es positiv, denn ich finde, es hebt sie auf ein ähnliches Niveau wie Sam Hill, der ja im Downhill bereits Unmögliches möglich gemacht hat und gerade auf Flat-Pedal-Mission gleiches im Enduro-Sport tut. Unfassbares Talent vereint die beiden auf jeden Fall schon mal.
Also Vali, Kopf hoch und weiter machen.
Foto von Lokalmatadorin und Mountainbike-Profi Vali Höll beim Stretching vor dem Downhill-Rennen in Leogang 2021.

Lokalmatadorin Vali Höll beim Stretching vor dem Rennen.

© Bartek Wolinski

Für mich war das Ende unfassbar spannend. Ihr könnt euch mich ungefähr so vorstellen, wie wenn ein kleines Kind, das einen spannenden Thriller schaut, mit der Bettdecke bis unter die Augen gezogen, jeden Moment bereit zu schreien und sich im Stoff zu vergraben. Ich liebe diesen positiven Stress!
Ich bin gespannt auf den nächsten Weltcup, denn ich glaube, nach der selektiven Strecke haben einige noch eine Rechnung offen und sind bereit, ihr Können zu beweisen.
Also: Biken gehen, Weltcup schauen und dann wieder: Kolumne lesen.
Ich freu mich auf euch.
Jasper

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