Bei kaum einem anderen Bewerb spielt Ausdauer eine so große und dramatische Rolle wie beim IRONMAN World Championship. Das Rennen der drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Marathonlauf findet traditionellerweise nahe eines aktiven Vulkans auf der Insel Hawaii statt – ursprünglich erfunden, um einen Streit darüber beizulegen, ob Rennradfahrer wirklich die fittesten Sportler sind.
Mittlerweile ist es die weltweit beliebteste Ausdauer-Serie. Fast 100.000 Menschen treten jährlich rund um den Globus in unterschiedlichen Events gegeneinander an. Alle wollen sie die Chance auf eines der begehrten Tickets nach Hawaii nutzen. Hier jetzt einige Fakten und Zahlen, die das Event so besonders machen.
1. Der 4,5-Meter "Crawl of Fame"
1982 kollabierte die Führende Julie Moss nur Sekunden vor ihrem Triumph. Mit letzter Kraft und auf allen vieren mühte sie sich damals die letzten 4,5 Meter über die Ziellinie. Dieser Moment ging um die ganze Welt und machte das Rennen berühmt. Sieh es dir an, und du wirst verstehen warum.
Die damals 23-jährige Rookie-Starterin nahm aufgrund von Forschungsarbeiten für ihre Arbeit an dem Rennen teil. Am Ende war sie so erschöpft und dehydriert, dass sie ihren Körper kaum noch kontrollieren konnte. Kathleen McCartney überholte sie schließlich auf den letzten Metern und gewann das Rennen völlig überraschend. Moss schaffte es trotz der extremen Strapazen auf den unglaublichen zweiten Platz.
2. Teilnehmer müssen eine Distanz von 226,3 km absolvieren
Diese Zahl ergibt sich aus: 3,8 km Schwimmen in der Kailua-Kona-Bucht, 180 km Radfahren nach Hawi und wieder zurück, und 42,2 km Marathonlauf an der Küste von Keauhou über den Keahole-Point wieder zurück nach Kailua-Kona.
3. 650.000 US-Dollar Preisgeld
Die jeweiligen Gewinner des Herren- und Damenrennens erhalten die beträchtliche Siegesprämie von $120.000, ihr Anteil an dem gesamten Preisgeld von weit über einer halben Million US-Dollar. Geldbeträge werden bis hinunter zum 10. Rang ausgeschüttet, der immer noch $10.000 bekommt. Erstmals wurde bei dem Rennen 1986 ein Preisgeld von $100.000 festgesetzt.
4. 811 Liter Hühnersuppe
Die Teilnehmer sind gut bei Appetit: 2018 waren es 5 volle Badewannen Hühnersuppe, 75 Kisten Bananen, 63 Kisten Orangen, 1.350 Brötchen und 66 kg Brezeln.
5. 49 Qualifikations-Rennen
Du kannst dort nicht einfach auftauchen und mitmachen. Deinen Platz auf der Liste musst du dir zuerst bei einem der 49 Quali-Rennen, quer durch 27 verschiedene Länder, beinhart verdienen. Dieses Jahr haben es über 90.000 Athleten versucht, einen der begehrten Startplätze für den Ironman zu ergattern.
6. 96.7 Prozent Finishing-Rate
Letztes Jahr kamen 2.307 Teilnehmer ins Ziel. Das ist die bisher größte Zahl an Finishern in diesem Bewerb. Außerdem war es das Jahr mit den meisten Startplätzen der Geschichte – 2.385. Das heißt, dass es aus dem riesigen Feld nur 3,3 Prozent nicht über die Ziellinie schafften. Erstmals über 1.000 Sportler waren es übrigens im Jahr 1984. 2013 stieg die Zahl auf über 2.000 – und es ist noch lange kein Ende in Sicht.
7. 10.000 Kalorien
Im Verlauf des Rennens verbrennen die Triathleten zwischen 7.000 und 10.000 Kalorien. Das ist enorm, verglichen mit dem durchschnittlichen Energie-Output von 1.500 bis 2.500 Kalorien am Tag.
8. 360 Kalorien Aufnahme pro Stunde
Den gesamten Kalorien-Output können sich die Sportler unmöglich während des Rennes zuführen. Um ins Finish zu gelangen, müssen sie mit kleinen Snacks aber stets Energie tanken. Die Kalorien-Aufnahme sollte sich zwischen 180 und 360 Kalorien in der Stunde bewegen – das sind 45 – 90g Kohlenhydrate.
9. Rekordzeit: 7 Stunden 52 Minuten und 39 Sekunden
Letztes Jahr war das Jahr der Rekorde. Sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, gab es eine neue Bestzeit. Der deutsche Athlet Patrick Lange schaffte es unter die unglaubliche Marke von 8 Stunden. Die Schweizerin Daniela Ryf kam nur knapp 30 Minuten danach über die Ziellinie – in 8 Stunden 26 Minuten und 18 Sekunden.
Zum Vergleich: Im allerersten Rennen auf der größten hawaiianischen Insel lag die Siegerzeit bei den Männern noch fast 2 Stunden darüber (9 Stunden 38 Minuten 29 Sekunden, John Howard). Bei den Frauen waren es sogar 3,5 Stunden (12 Stunden 32 Sekunden, Linda Sweeney).
10. 2 Inseln
Bevor der Wettbewerb 1981 nach Big Island übersiedelte, fand er auf der Insel Oahu statt. Dort bestand das Rennen aus diesen drei Disziplinen: Schwimmen im unruhigen Wasser von Waikiki, Radfahren auf dem Inselrundkurs von Oahu und zum Schluss der Honolulu Marathonlauf.
11. Durchschnittsalter 43 Jahre
Die Teilnehmer des Ironman sind im Durchschnitt über 40 Jahre alt. Der älteste Finisher war Drew Hollander mit unvorstellbaren 84 Jahren, 2011. Der älteste Sieger hieß Craig Alexander, der ebenfalls im Jahr 2011, mit 38 Jahren seinen dritten Triumph feiern durfte.
12. 36 Prozent amerikanische Sieger
Mit insgesamt 30 Siegen bei 83 Austragungen haben die Amerikaner so viele Rennen gewonnen, wie keine andere Nation der Welt. Es waren bisher nicht weniger als 20 der 42 Männerbewerbe (mit Deutschland auf dem zweiten Platz mit 9 Siegen) und 10 der 41 Frauenbewerbe (genauso wie die Schweiz).
13. Einer von vier wird nach dem Rennen medizinisch versorgt
Rund ein Viertel des Teilnehmerfeldes muss entweder während oder nach dem Rennen zur Behandlung ins Versorgungszelt. Der Großteil ist zurückzuführen auf die extrem hohe Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent, die verhindert, dass der Schweiß auf der Haut verdunsten kann. Das führt dann häufig zu Hitzeschlägen und Desorientierung.
Zu allem Überfluss hat es noch um die 35°C, die sich aufgrund der Lichtreflexion durch das glänzende Lavagestein und den Asphalt noch heißer anfühlen. Außerdem gibt es auf der Radstrecke Seitenwinde mit Böen bis zu 95km/h.
14. 98 Prozent Recycling
Natürlich wird während des Rennens sehr viel Müll produziert. Die Aufräumarbeiten sind allerdings so wichtig für die Insel, dass es sogar einen eigenen Recycling-Manager gibt. Im letzten Jahr wurden zwei Schiffscontainer mit 360.000 Bechern, 31.608 Dosen, 127.215 Flaschen und 4.500 Schachteln befüllt.
15. 12.888 Dosen Red Bull
Die Teilnehmer verwenden die unterschiedlichsten Mittel, ihre Leistung zu steigern und Koffein ist eine der verbreitetsten Methoden. Bereits 75 – 100 Milligramm haben einen positiven Effekt auf die Performance. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass so viele Sportler an den Energy-Stationen entlang der Marathon-Route zu Red Bull greifen.
16. 20 Millionen Views – die Menschen lieben die Action
Seit der ersten Fernsehübertragung des Wettbewerbs 1980, ist das Interesse über den ganzen Globus erheblich angestiegen. Vergangenes Jahr wurde auf „Facebook Watch“ ein Livestream zur Verfügung gestellt, der riesige Zuschauerzahlen während des 20-stündigen Streams verbuchen konnte.
17. 30 Stunden Training pro Woche Vorbereitung
Sowohl Profis, als auch Amateure, müssen einen enormen Aufwand betreiben, um sich für das Event vorzubereiten. Die meisten stecken zwischen 18 und 30 Stunden wöchentlich nur in Trainingseinheiten – bestehend aus 11 km Schwimmen, 360 km Radfahren und 77 km Laufen. Plus Krafttraining, Stretching und Yoga. In nur EINER Woche.
18. 2.079 Höhenmeter
Der Kurs geht auf und ab über die Hügel von Hawaii und verzeichnet insgesamt über 2.000 Höhenmeter – 1.772 Meter auf der Radstrecke und 307 Meter beim Marathon. Das Fahren im Windschatten ist verboten und die erlaubten Fortbewegungsarten zu Fuß sind ausschließlich „Laufen, Gehen oder Kriechen“.
19. 29 Sekunden: Das engste Finish
Den kürzesten Vorsprung aller Zeiten gab es beim Bewerb der Frauen im Februar 1982, als Kathleen McCartney vor der völlig erschöpften Julie Moss nicht einmal eine halbe Minute über die Ziellinie kam. Bei den Männern fiel die engste Entscheidung nur ein Jahr später 1983, wie sich die Legende Dave Scott 33 Sekunden vor seinem Konkurrenten Scott Tinley durchsetzen konnte.
20. Die meisten Zieleinläufe: 23
Die Brasilianerin Fernanda Keller hat mit 23 die höchste Zahl an Zieleinläufen, wobei sie, von allen Rennen, bei denen sie jemals gestartet ist, eine Zielankunfts-Quote von über 50 Prozent verbuchen kann. Ihr Rekord liegt sogar über dem Höchstwert der Männer, der mit 21 vom Amerikaner Ken Glah gehalten wird.
21. Unter 17 Stunden oder Disqualifikation
Noch vor dem Startschuss wird mit der zeitlichen Begrenzung von 17 Stunden ein enormer Druck auf die Sportler ausgeübt. Wer seinen letzten Schritt nicht unter 17 Stunden über die Ziellinie macht, wird mit „DNF – Did not finish“ vermerkt. Das Zeitmaximum beim Schwimmen beträgt 2 Stunden 20 Minuten, beim Radfahren liegt das Limit bei 10 Stunden 30 Minuten. Beim Marathon läuft die Uhr bei punktgenau 17 Stunden ab.