Beachvolleyball
Svenja Müller lehnte als junge Beachvolleyball-Spielerin Förderungsangebote ab und ging ihren eigenen Weg. Nun kommt sie groß raus: mit 1,92 Metern und Hoffnung auf den WM-Titel.
Dass Svenja Müller mal eine ganz Große werden würde, zeichnete sich früh ab. Mit 13 Jahren maß das Mädchen aus Dortmund bereits 1,87 Meter. In der Schule litt sie unter spöttischen Kommentaren der Mitschüler. Heute ist sie 1,92 Meter – und froh über jeden Zentimeter. Die 22-Jährige zählt auch dank ihrer Größe zu den besten Beachvolleyball-Spielerinnen der Welt. Auf ihrer ersten World Beach Pro Tour im vergangenen Jahr gewann sie mit ihrer Teamkollegin Cinja Tillmann direkt die deutsche Meisterschaft und holte Bronze bei der WM. Und das, obwohl sie am Anfang ihrer Karriere so manche Unterstützung ablehnte.
THE RED BULLETIN: Svenja, du hattest mit vierzehn die Möglichkeit, aufs Sportinternat in Münster zu gehen und mit sechzehn auf den Bundesstützpunkt in Hamburg. Beide Male hast du abgesagt. Warum?
SVENJA MÜLLER: Ich hatte früher immer Probleme mit Heimweh. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Lehrgang erinnern, als ich zwölf war. Der ging bloß drei Tage, ich hab aber direkt in der ersten Nacht geweint. Am Stützpunkt zu wohnen wäre schwierig geworden.
Fiel dir die Entscheidung schwer?
Auf jeden Fall. Ich wusste ja, dass aus sportlicher Sicht dort die besseren Bedingungen herrschten. Schule, Training, Physiotherapie, Gym – alles auf einem Fleck. So musste ich alles selber organisieren.
Klingt anstrengend …
Das war’s. Und volleyballerisch wäre ich jetzt sogar vielleicht noch ein bisschen stärker, wenn ich damals aufs Sportinternat gegangen wäre. Aber wer weiß, ob ich dann nicht längst den Spaß daran verloren hätte. Deshalb hab ich die Entscheidung nie bereut. Und ohne diese Erfahrung wäre ich sicher nicht so selbständig, wie ich es heute bin.
Wie wichtig ist Wohlbefinden für Erfolge?
Ich denke, man kann auch kurzfristig Erfolg haben, obwohl es einem nicht so gut geht. Aber um über mehrere Jahre herausragende Leistungen zu bringen, muss man sich wohlfühlen. Freude ist wichtig für den Erfolg.
Du arbeitest mit einer Sportpsychologin zusammen?
Ja, das ist üblich im Beachvolleyball. Dadurch, dass man nur zu zweit ist und auch nicht ausgewechselt werden kann, trägt man schon viel Verantwortung. Da kann eine Psychologin Tipps geben.
Welche?
Zum Beispiel nach Fehlern kleine Pausen zu nehmen. Oder ich klopfe mir vor dem Aufschlag immer auf die Beine, um Kopf und Körper zu signalisieren: Okay, jetzt geht’s los.
Im Herbst startet die nächste WM. Was ist euer Ziel nach dem Erfolg im letzten Jahr?
Wir hatten ein paar Turniere, die nicht so gut liefen. Deshalb müssen wir erst mal Konstanz reinkriegen. Aber klar wollen wir mindestens ins Viertelfinale. Und wenn wir das spielen, was wir können, ist noch mehr möglich.