Radsport
Zu schade für die Rolle: Die besten Rennrad-Filme aller Zeiten
Lass dich von Patrick Seabases Klettertour auf einem Eingangrad oder der Geschichte eines ehemaligen Skibergsteigers in "Breaking the Cycle" für die nächste Tour inspirieren.
Der Rennradsport existiert in vielen unterschiedlichen Ausprägungen. Der ursprüngliche Charakter liegt in der Freiheit, neue Orte und Kulturen zu erleben und Erfahrungen aus einer anderen Perspektive zu machen. Dann gibt es jedoch eine Seite des Sports, in der es um Blut, Schweiß und Qual geht. Dieses zwiespältige Verhältnis wird vor allem in den Filmen, die sich dem Sport widmen, sichtbar.
MTB oder BMX-Videos lösen aufgrund spektakulärer Tricks und fesselnder Downhill-Abfahrten schnell einen Wow-Effekt aus. Rennrad-Filme zielen hingegen darauf ab, beim Publikum ein Gefühl der Bewunderung und Empathie für die Akteure des Sports auszulösen. Es geht um Mut und Bestimmung und den steinigen Weg, den jeder Radsportler beschreiten muss, um seine Ziele zu erreichen. Ob es nun der Sieg der Grand Tour ist, ein neuer Weltrekord oder einfach eine Expedition durch das australische Outback – diese Filme gehen unter die Haut und machen Lust auf eine ausgedehnte Tour mit dem eigenen Rad.
Wir haben hier die besten Filme und Dokumentationen über den Rennradsport gesammelt. Jeder einzelne eignet sich perfekt für einen regnerischen Sonntag, an dem das Rad sowieso in der Garage bleibt.
1. Breaking the Cycle
46 Min
Anton Palzer: Breaking the Cycle
Anton Palzer versucht den Umstieg vom Bergsteigen zum Straßenrennsport.
Das Peloton mustert ihn mit vielsagenden Blicken. "Also ist es nicht 100% sicher, dass du nach diesem Tag weiterfährst", wird Toni Palzer vor seiner Renn-Premiere für das UCI WorldTeam Red Bull - BORA - hansgrohe gefragt.
Wer die Antwort darauf erfahren und gleichzeitig verstehen will, warum der Skibergsteiger im Alter von 29 (!) Jahren eine neue Herausforderung im Sattel gebraucht hat, packt sich Breaking the Cycle (jetzt auf Red Bull TV ansehen) ganz oben auf die Watch List. Oder nach dem Motto Do it like Toni: Melde dich bei den Red Bull Junior Brothers an und trete als Talent für Red Bull - BORA - hansgrohe in die Pedale.
Höhepunkt der Doku ist die Spanien-Rundfahrt (Vuelta a España) über 21 Etappen und 3.417 Kilometer. Auf dem Weg nach Santiago de Compostela siegt das Kämpfer-Herz des Red Bull-Athleten über die Hitzeschlacht und das Sturzpech in ersten Woche.
2. "UnBRAKEable"
24 Min
UnBRAKEable
Ein Tag, ein Gang, keine Bremsen: Patrick Seabase auf einer 325 Kilometer langen Tour über fünf Schweizer Bergpässe - auf einem Fixed Gear Bike.
Der Schweizer Radfahrer Patrick Seabase weiß, wie kaum jemand anderer, wie es ist, auf seinem Bike an die physischen Grenzen des Möglichen zu gehen. Im Jahr 2016 nahm er sich im Rahmen seines Films „Seabase 1910" eine der brutalsten Etappen der Tour de France aus dem Jahr 1910 vor - eine zermürbende 300-km-Fahrt über fünf Pyrenäenpässe - und das auf einem Rad mit nur einem Gang und ohne Bremsen (alias Fixie).
Für seine neueste Dokumentation, „UnBRAKEable", entfernte er sich nicht so weit von seiner Heimat weg und nahm es stattdessen mit einigen der berühmtesten Anstiege der Schweiz auf - natürlich auf seinem geliebten Fixie. Während die zurückgelegte Distanz und Höhe an sich schon verblüffend sind (325 km und 8.500 Höhenmeter), zeigt der Film auf eindrucksvolle Weise, wie die außergewöhnliche Herausforderung den Schweizer Ausnahmeathleten sowohl physisch, als auch mental fordert und wie er mit dieser unmenschlichen Aufgabe fertig wird. Das Unmögliche auf zwei Rädern hat einen Namen: Patrick Seabase.
3. "A Sunday in Hell"
Auch wenn du noch eher unvertraut bist mit der Welt des Rennradsports, wirst du vermutlich schon vom Kopfsteinpflaster-Klassiker gehört haben. Diese Doku aus dem Jahr 1977 handelt von der Auflage Paris – Roubaix 1976. Die Geschichte wird aus der Perspektive der Fahrer, Organisatoren und Fans erzählt. Das Resultat ist brutal.
Trotz seines Alters gehört der Film auch heute noch zu der Kategorie „Must-Watch“. „A Sunday in Hell“ zeigt das 273 km lange Chaos auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster von Frankreich. Zahllose Crashes und Pannen werden in dir ein Gefühl der Erleichterung hinterlassen, wenn du daran denkst, dass du dich nur mit den bequemen Schlaglöchern Mitteleuropas herumschlagen musst.
4. "The Flying Scotsman"
Ein Typ aus Schottland hat sich in den 90ern aus Altmetall und Teilen einer Waschmaschine ein Rennrad gebaut und mit diesem Rennrad dann einen Weltrekord aufgestellt. Du denkst das ist ein Scherz? Falsch. Denn genau das hat Graeme Obree gemacht und „The Flying Scotsman“ ist ein Drama, das auf dieser Geschichte basiert.
Obwohl der Film außerhalb der Szene nur mittelmäßige Kritiken bekam, ist das Porträt einer überaus ungewöhnlichen Geschichte des modernen Radsports sehr inspirierend. Außerdem kannst du davon ausgehen, dass der Film einen Einfluss auf deine aerodynamische Haltung am Bike haben wird.
5. "Thereabouts"
Lachlan Morton ist ein australischer Radrennfahrer. Aufgrund der Tatsache, dass die professionelle Rennradsaison (Jänner – Oktober) vor allem in Europa stattfindet, verbringt er sehr viel Zeit weg von Zuhause. Das heißt auch, dass er seinen Bruder Gus, der selbst einst Profi war, nur ganz selten zu Gesicht bekommt.
Dagegen haben sich die beiden etwas überlegt und sich 2013 in der Offseason dazu entschlossen einen 11-tägigen, 3.000 km langen Trip von ihrem Elternhaus in Port Macquaire zum Uluru, New South Wales, in das Herz Australiens zu machen. Die Geschichte wurde von Freunden dokumentiert und „Thereabouts“ ist das finale Resultat. Zwar liegt der Fokus des Films ganz klar auf den beiden Athleten, trotzdem schafft er es, das Freiheitsgefühl des Radfahrens einzufangen: Neue Orte entdecken, neue Menschen kennenlernen und im tiefsten Outback mit Einheimischen ein Bier trinken. Der Film macht unglaublich Lust darauf, sich selbst mit dem Rad auf Entdeckungsreise zu begeben.
6. "Ice 2 Ice"
50 Min
Ice 2 Ice
Nach 84 Tagen auf dem Fahrrad von Alaska bis nach Feuerland hat Michael Strasser einen neuen Weltrekord aufgestellt.
In der einzigartigen Welt des Ultralangstrecken-Radfahrens gibt es eine Reihe von Rekorden, die mehr als die meisten anderen herausstechen. Einmal mit dem Rad um die ganze Welt steht zweifellos ganz oben in dieser ewigen Bestenliste. Nicht weit dahinter liegt aber bereits der Pan-American Highway (oder Panamericana) - eine 23.000 km lange Route zwischen Alaska und Patagonien.
Der österreichische Triathlet und Weltrekordhalter (mit dem Rad durch ganz Afrika in 35 Tagen), Michael Strasser, versuchte das Kunststück über die Panamericana im Jahr 2018. Die außergewöhnliche Dokumentation „Ice 2 Ice" verfolgt ihn auf seiner einmaligen Reise auf Schritt und Pedaltritt - eine Geschichte, die man also Radsportler und Fan einfach gesehen haben muss.
7. "Rising from the Ashes"
Trotz der enormen geografischen Größe des Kontinents, sind Athleten aus Afrika im Profiradsport immer noch ein eher modernes Phänomen. Yohann Gene beendete erst 2011 die Tour de France offiziell als erster afrikanischer Fahrer.
Das war sozusagen der Startschuss für afrikanische Radsportler. Gleich im folgenden Jahr 2012 versuchte das Nationalteam aus Ruanda die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in London. „Rising from the Ashes“ erzählt dokumentarisch die Geschichte von einer Gruppe von Teenagern, deren Familien durch den Völkermord in Ruanda zerstört wurden. Gecoacht vom ersten Amerikaner, der jemals an der Tour de France teilgenommen hat, Jock Boyer, werden diese jungen Leute im Verlauf des Films zu einem ernstzunehmenden Radteam geformt.
8. "Icarus"
Nicht viele Rennrad-Filme können sich mit dem Titel „Oscarpreisträger“ schmücken. Die Netflix-Doku „Icarus“ ist einer davon. Obwohl der Film vor allem aufgrund der Enthüllungen über den Dopingskandal in Russland bei den Olympischen Winterspielen 2014 bekannt ist, widmet er sich zu Beginn dem sportlichen Aspekt der Disziplin.
Der Filmemacher und begeisterte Radsportler, Bryan Fogel, will die Haute Route in den Alpen gewinnen. Das schwierigste und härteste Amateurrennen des Rennradsports. Um das zu schaffen sucht er sich Hilfe vom russischen Wissenschaftler Dr. Grigory Rodchenkov. Ihr Ziel: Doping, ohne dabei erwischt zu werden. Was folgt sind eine Menge Skype-Gespräche zwischen Fogel und dem stets oberkörperfreien Rodchenkov. Ab diesem Zeitpunkt kündigt sich in der Dokumentation eine viel größere Geschichte an, deren Puzzleteile nach und nach ein völlig unerwartetes Bild ergeben.
9. "All For One"
Erst seit dem Jahr 2011 taucht das australische Profiteam „GreenEdge“ auf dem Radar des Radsports auf (ein Jahr nach einem gewissen „Team Sky“). Trotzdem können sie bereits eine eindrucksvolle Zahl großartiger Titel aufweisen, inklusive des Triumphs der spanischen Vuelta 2018.
Die Doku „All For One” begleitet das Team in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens. Sie gewährt dem Zuschauer einen seltenen Einblick in die Disziplin und verfolgt sowohl die Sportler als auch ihre Unterstützer durch ihre Höhen und Tiefen.
10. "Stop At Nothing"
Keine Liste von Filmen über den Rennradsport ist vollständig ohne den wohl berühmtesten. „Stop At Nothing“ ist die fesselnde Dokumentation über die Karriere des größten Schurken des Profiradsports – Lance Armstrong.
Die Doku kombiniert geschickt Archivmaterial mit aktuellen Interviewaufnahmen von Wegbegleitern, Teamkollegen und Journalisten. Sie zeigt erfolgreich welche Macht der Amerikaner im Hauptfeld über seine Mitstreiter hatte, bevor seine Welt krachend in sich zusammenstürzte.
11. "Pantani: The Accidental Death of a Cyclist"
Das Bild von Doping in den 90ern des Profiradsports ist eher getrübt und unscharf. Die Geschichte über den italienischen Radrennfahrer Marco Pantani ist jedoch nach wie vor an Faszination kaum zu übertreffen und trotzdem kaum verbreitet.
James Erskine versucht mit seiner Doku genau dieser Tatsache entgegenzuwirken. Das bunte Leben von "Il Pirata" (so nannte man Pantani gerne), sein sportlicher Aufstieg und das frühe tragische Ende aufgrund einer Kokainüberdosis 2004 sind der Inhalt des gelungenen Films. Wegen des mutmaßlichen Konsums von EPO ist sein Triumph bei der Tour de France 1998 auch heute noch höchst umstritten. Die Art und Weise wie in der Dokumentation Rennaufnahmen mit ehrlichen und offenen Interviews kombiniert werden, lässt jedoch den schillernden Charakter (und die bunten Mapei-Trikots) Pantanis wieder aufleben.
12. "Clean Spirit"
Der Unterschied von „Clean Spirit“ zu den anderen Filmen in dieser Liste liegt darin, dass sich diese Doku ganz ausschließlich dem größten Rennen des Jahres widmet. Durch die Augen des jungen Teams, Argos-Shimano, präsentieren der Filmemacher Dirk Jan Roeleven und der Journalist Nando Boers einen intimen Blick in die Welt des Profiradsports.
Mit seinen vier Etappensiegen 2013 stiehlt das deutsche Kraftpaket Marcel Kittel im Film allen Konkurrenten die Show. Auf der anderen Seite zeigt die Doku allerdings auch die Monotonie im Leben eines Profirennfahrers, die abseits der Strecke lange im Dunkeln geblieben ist. Massage, Essen und Übernachtung in einem unscheinbaren Hotel in einem unscheinbaren französischen Dorf. Und täglich grüßt das Murmeltier.
13. "Outskirts: Route 66"
Die Radsport-Marke „Rapha“ hat schon immer ziemlich coole Filme gemacht. In „Outskirts: Route 66“, mit einem gewissen Gus Morton (ja, der von „Thereabouts“) und seinen drei Freunden begleitet der Film die ewige Fahrt auf der Route 66 von Chicago nach LA. Genau wie in „Thereabouts“ geht es auch hier wieder um die Quintessenz und den tieferen Sinn des Radsports: Eine einzigartige Möglichkeit Straßen, Natur und neue Menschen zu erleben. Ein Must-Watch, das dich bereits nach fünf Minuten vor den Bildschirm fesseln wird.
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